Spuren
Als christlicher Radfahrer von Bonn nach Hersel ärgere ich mich unchristlich, fast täglich! Wut packt mich. Bevor man Hersel erreicht, lädt ein vatikanfarben gelb-weißes Schild zur Sonntagsmesse ein. Messe? Kirche?? Die Einladung ist überschmiert. Ein Graffitifreund hat sich auf ihm „ausgedrückt“, nur für Gleichgesinnte und Kenner verständlich. Das schöne Schild!! Schmierfink! (Sicher keine Schmierfinkin, vermute ich: Haben junge Frauen das nötig?) Hat „der“ Schmierer was gegen Katholiken?
Wenige Meter weiter seine Spur: ein ganz weltliches Verkehrsschild; auch hier hat sich unser „Schmierfink“ verewigt. Also kein Affront gegen unsere Kirche! Durchatmen, genauer hinschauen: aha, ein Pseudonym. Ich entziffere ‚F a M ,’ Das eigene Pseudonym – oder das von einer Rockband? Irgendwer aus der Hip-Hop-Kultur? Ich wehre mich innerlich: Subkultur! Die Namen der Jecken ... Bestimmt nicht die eigenen Anfangsbuchstaben! Oder heißt hier einer Fritz Anton Müller oder Meyer? Einen Herseler mit F A M könnte man schnell dingfest machen. Ob es eher um FAME geht, also um Ruhm??
Zu Atem gekommen, überlege ich mir: die Spur eines Anfängers! Hat sich ein paar Filzstifte in verschiedenen Farben gekauft. Er versucht sein Kürzel, sein geliebtes Pseudonym möglichst öffentlich und oft anzubringen. Und das bei dem Autoverkehr auf der B9. Keine Angst vor einer Polizeistreife? Ob der nachts unterwegs war?
Immer mehr „Writer“ produziert die Szene. Wer auffallen will, muss immer größere, auffälligere und buntere „Tags“ anbringen, ordentliche Mitmenschen ärgern. Schauen Sie sich mal am Herseler Bahnhof der Linie 16 beim Warten auf die Bahn den „verzierten“ Güterschuppen an! Da haben sich Writer ausgetobt. Könner sprühen räumlich, dreidimensional, umranden, was die Sprühdosen hergeben. Und immer gilt das 11. Gebot ‚Du darfst dich nicht erwischen lassen’! Denn Sachbeschädigung kann teuer werden.
Schließlich versetze ich mich in den jugendlichen Schmierfinken ohne Gesicht. Meine Wut schmilzt: armes kleines „Writer“chen. Brauchst du den Kick? Willst du deine Angst erleben und überwinden, ein Schlückchen „Selbstverwirklichung“ nippen? Hat dich wenigstens ein Kumpel für deinen Mut gelobt?
Versuchs mal ganz legal mit Malen, mit was Sozialem, das bringt „echt Fame“! Auch eine Spur zum Glück!
Übrigens haben unsere evangelischen Mitchristen deine Spur auf ihrem Schild längst beseitigt. Lass uns unsere Einladung zu Gottesdiensten am Sonntag!

