Straßenkinder in Accra
Betreuung und Rehabilitation von Straßenkindern in Ghana
Auf eigene Faust schlug sich Francis mit zwölf Jahren aus seinem Dorf in die 200 Kilometer entfernte Großstadt Accra durch. Dort lebt er auf der Straße. „Mein Vater war oft betrunken und hat meine Mutter und mich verprügelt“, sagt er. „Aber nachts träume ich oft davon, dass wir gemeinsam Spaß haben, lachen und uns in der Familie gut verstehen.“
Francis ist eines von schätzungsweise 20.000 Straßenkindern in Accra – Tendenz weiter steigend. Armut und zerrüttete Familienstrukturen treiben die Kinder auf die Straße. Eine der wenigen Initiativen in Ghana, die sich um die Straßenkinder kümmert, ist das Straßenkinderprojekt CAS (Catholic Action for Street Children). CAS hat Kontakt zu mehr als 2.000 Straßenkindern. Die ersten Kontakte knüpften die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter des Projektes auf der Straße. In Anlaufstellen beraten sie die Jugendlichen bei Alltagsproblemen und Gesundheitsfragen, bieten HIV/Aids-Präventionsmaßnahmen an. Außerdem sind Kinderkrippen eingerichtet, wo Tagesmütter die Babys von Straßenmädchen betreuen, die mit der Suche nach Gelegenheitsarbeit den ganzen Tag auf der Straße verbringen. Etwa 100 Kinder suchen in der Woche die von CAS eingerichtete Zufluchtstätte auf. Dort können sie sich waschen oder ausruhen, Lesen und Schreiben lernen und erste Einblicke in verschiedene handwerkliche Berufe bekommen. Im Notfall erhalten sie auch medizinische Versorgung.
Diejenigen, die das Zufluchtshaus über einen längeren Zeitraum regelmäßig aufsuchen und zeigen, das sie wirklich von der Straße weg wollen, können drei bis vier Monate zum Lernen und Arbeiten auf der Hopeland-Farm außerhalb von Accra verbringen. Dort können die Kinder eine Grundausbildung in Land- und Gartenbau, Kleintierzucht, Lederverarbeitung , Keramik- und Kerzenherstellung machen. Während ihres Aufenthaltes auf der Farm werden sie außerdem in Alphabetisierungskursen, durch Gesundheitsaufklärung und andere pädagogische Maßnahmen auf ein Leben jenseits der Straße vorbereitet. Dazu gehören nach dem Selbstverständnis von CAS auch eine weiterführende Schulausbildung oder eine handwerkliche Lehre, für die sich die Kinder am Ende ihres Farmaufenthaltes entscheiden können. Fast die Hälfte der Kinder beginnt nach vier Monaten Farmaufenthalt tatsächlich eine Lehre. Während der dreijährigen Ausbildung erhalten die Jugendlichen Unterkunft, Unterhaltsgeld, Gesundheitsunterstützung sowie ergänzenden allgemeinen Unterricht. Die bisherige Bilanz ist positiv: Die meisten Straßenkinder haben Schule und Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und unter Mithilfe der CAS-Mitarbeiter Arbeit gefunden.
Die monatlichen Betreuungs- und Ausbildungskosten für ein Straßenkind betragen 90,- Euro.
Quelle: Misereor, Projekt Ghana 130-001-132
Das „Fenster zur Welt“ der Gemeinden Hersel und Widdig unterstützt das Projekt mit dem Erlös von Waren aus fairem Handel und anderen Aktionen.

